Ein Widerständiger, ein Außenseiter
Nachruf auf Klaus Eschen * 6. September 1939 † 30. Mai 2025
Von Udo Grönheit
Es ist zum Verzweifeln. Der Tod holt uns alle. Ein Schlusspunkt, hinter den wir nicht zurück können. Dennoch, ein Leben wie das von Klaus Eschen schafft Hoffnung für alle, die noch etwas vor sich haben. Aus der Fülle der Möglichkeiten hat er gewählt.
Er hatte das Beispiel seiner Mutter, der Amerikanerin Lipsy Eschen-Tumm, die zu den Frauen gehörte, die beim sogenannten Rosenstraßen-Protest 1943 ihre eingesperrten jüdischen Ehemänner den nationalsozialistischen Verbrechern abtrotzten. Unter den Geretteten war auch Klaus Eschens Vater.
Er hatte das Beispiel seines Vaters Fritz Eschen, der ein großer Fotojournalist war und seinem Sohn das Motto mitgab: »Das Leben ist zu kurz, um sich zu verbiegen.«
Klaus Eschen war Rechtsanwalt und Mitbegründer des Sozialistischen Anwaltskollektivs, in dem ich ihn als Referendar näher kennenlernte und ihm mit Hochachtung begegnete. Zur damaligen Zeit entstand sein noch heute zitierter Beitrag »Vor den Schranken« im Kursbuch Nr. 40 (1975, S. 103 ff.), in dem er sich kritisch mit der westdeutschen Justiz und der Juristenausbildung (»dressierte Zirkusflöhe«) auseinandersetzte, seine Erfahrungen und Perspektiven als linker Anwalt schilderte und die Notwendigkeit eines kritischen, engagierten Juristenstandes betonte.
Er war Mitbegründer des RAV, der damals noch Republikanischer Anwaltsverein hieß, Notar in Berlin und Brandenburg, Richter am Verfassungsgerichtshof Berlin, Fotograf und ein besonnener Mensch, der in sich ruhte.
In einem Interview 2011 in der taz(1) antwortete er auf die Frage, warum er kein Promianwalt geworden sei: »Mir fehlt der Narzissmus. Es war mir wichtiger, die Basis zu bedienen.« Er selbst sah sich als Außenseiter. Ja, das war er, aber mitten unter uns. Ein rundes volles Leben ist zu Ende gegangen.
Wir sind ihm, der lange Jahre Vorsitzender des RAV war, für sein Engagement dankbar und behalten ihn als einen wundervollen Menschen in liebevoller Erinnerung.
Udo Grönheit ist Rechtsanwalt für Asyl- und Strafrecht in Berlin, einer der Gründer des RAV und bis heute Mitglied.
(1) Nina Apin und Plutonia Plarre (taz): Montagsinterview mit Klaus Eschen „Von meinem Vater habe ich sehen gelernt“, 29.5.2011, taz.de/Montagsinterview-mit-Klaus-Eschen/!5119693/
