Mit scharfem Verstand und Humor hat unser Kollege Hartmut Wächtler über 50 Jahre in den Gerichtssälen der Republik den Kampf für ein demokratisches Recht geführt und ist sich dabei immer treu geblieben. Jetzt ist er mit 81 Jahren gestorben.
1973 als Anwalt zugelassen, war er 1979 Gründungsmitglied und über viele Jahre Mitglied des Vorstands unseres Vereins.
Mit Hartmut Wächtler geht ein großer, leidenschaftlicher, streitbarer Anwalt und Strafverteidiger, ein radikaler Demokrat und Antifaschist. Hartnäckig und virtuos hat er das Recht als Waffe eingesetzt, um den wachsenden Begehrlichkeiten des Staates bei den Eingriffen in Bürgerrechte Grenzen zu setzen und um Schwächeren gegen staatliche Angriffe zur Seite zu stehen.
Ein kluger Kollege, der den Strafverfolgungsbehörden und dem strafenden Staat mit Misstrauen begegnete, der sich den immer schriller werdenden Rufen etwa nach Effektivierung des Strafprozesses, Einschränkungen des Meinungs- und Versammlungsrechts, polizeilichen Befugnissen schon bei „drohender Gefahr“ und Überwachung verweigerte, der unbeirrt und kompromisslos Beschuldigten- und Freiheitsrechte einforderte und in sehr vielen politischen Verfahren durchsetzte.
Hartmut Wächtler war nicht nur, aber insbesondere in München ein wichtiger Ansprechpartner für politische Bewegungen, Gruppen und Institutionen, wenn sie mit staatlichen Eingriffen konfrontiert waren, und er war für viele Kolleginnen und Kollegen ein Ausbilder und großes Vorbild.
Ein großes politisches Anliegen war für Hartmut Wächtler der Kampf gegen die Einführung des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes (PAG) im Jahr 2018. Im Januar 2025 gehörte er zu den 619 Jurist*innen, die in einem offenen Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und die Bundesregierung forderten, ohne weitere Verzögerung ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten, deren Politik darauf ausgerichtet ist, das bestehende demokratische System mit einem menschenverachtenden, undemokratischen System zu ersetzen.
Hartmut Wächtler schrieb über seine Aufgabe als Strafverteidiger:
„Ich habe meinen Beruf als Auftrag gesehen, widerständigen Minderheiten eine Möglichkeit zu geben, die Konfrontation mit der Justiz durchzustehen, ohne daran zu zerbrechen. Das eine ist, mit Inbrunst an einer Demonstration für eine gute Sache teilzunehmen, das andere Monate später mit den justiziellen Folgen konfrontiert zu werden. Die Demo macht man mit anderen, vor Gericht steht man allein. Verteidigung in politischen Strafsachen bedeutet deshalb auch, dieser Vereinzelung und Absonderung des früheren Demonstranten, jetzt Beschuldigten entgegenzuwirken. Das kann man, indem man Öffentlichkeit mitorganisiert, aber auch, indem man den Mandanten auf die Konfrontation mit der Justiz vorbereitet, ihn bestärkt, wenn er seine Motive vortragen will, ihn schützt, wenn Staatsanwalt und Richter ihm ins Wort fallen.“
So haben wir Hartmut Wächtler kennengelernt und werden ihn erinnern. Sein Tod ist ein großer Verlust.
der RAV-Vorstand und BRAUS (beratendes Gremium)

