Wir freuen uns an dem großen Interesse für diese Veranstaltung. Wir können leider nur noch Wartelistenplätze anbieten.
Der Psychoanalytiker Michael Balint hat in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf der Grundlage der Gruppenanalyse die Methodik der sog. Balint-Gruppe entwickelt. Sie hat vor allem in der beruflichen Fort- und Weiterbildung ihren festen Stellenwert.
In Berufen , in denen es neben der als selbstverständlich vorauszusetzenden Fachkompetenz zusätzlich auf die sog. " soziale Kompetenz " ankommt, ist die Fähigkeit zu gelingender zwischenmenschlicher Kommunikation der oft unterschätzte Schlüssel zu persönlicher Zufriedenheit wie beruflichem Erfolg.
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sind in ihrem beruflichen Alltag besonderen persönlichen Anforderungen ausgesetzt. Wer kennt nicht die Nöte bzw. die Konflikte, wie sie aus missglückenden Interventionen bei Gericht, bei festgefahrenen Mandantengesprächen, beim Umgang mit dem Büropersonal oder mit den KollegInnen in der Bürogemein-
schaft auftreten.
Zwar gehören solche Konflikte anscheinend zur beruflichen Alltagsrealität, sie können aber bekanntlich bis zur eigenen (existenzbedrohenden ) Erschöpfung führen.
Ob Kommunikation zufriedenstellend gelingt, hängt wesentlich davon ab, wie unser jeweiliges Gegenüber unsere "Botschaft " hört, sie versteht und für sich selbst interpretiert. In welcher Weise ("wie ") eine Botschaft verstanden wird, und was (als Reaktion hierauf)
an erwiderndem Sprechen und Handeln - dies verknüpft mit evtl neuen Botschaften - ausgelöst wird , hängt nicht nur vom erwidernden Einzelnen sondern auch vom persönlichen wie beruflichen Umfeld ab. Noch komplexer wird die Sache, wenn das Gegenüber aus mehreren Beteiligten( z.B. im Gerichtssaal: der Staatsanwalt, das Gericht ; der Sachverständige ) besteht und gleichzeitig ein konkret vorgegebener Rahmen ( z.B. das GVG, die StPO ) Ausmaß wie Grenzen unseres persönlichen Agierens zu bestimmen scheint.
Hier setzt das Konzept der Balint-Gruppe an: In ihr geht es darum, sich der Beziehungszusammenhänge bewusst zu werden, wie sie in unterschiedlichen Gruppenkontexten entstehen, sie entsprechend aufzuhellen (zu " analysieren ") und eigene, der jeweiligen Situation entsprechende Handlungsmuster zu entwickeln.
Eine Gruppe von bis zu 14 Anwältinnen und Anwälten trifft sich über einen längeren Zeitraum ( z. B. über ein Wochenende oder längerfristig in einem bestimmten Turnus) , um sich gemeinsam zu beraten. Es sind "Fälle aus dem beruflichen Alltag" ,von denen die Gruppenteilnehmer während des Gruppenverlaufs berichten, - wobei jedes Gruppenmitglied das Berichtete - subjektiv - höchst unterschiedlich wahr- und aufnimmt.
Und weil jeder Teilnehmer sich spontan und in freier Assoziation zu dem erzählten Ereignis äußern kann, ergibt sich für den Berichtenden schon hieraus ein besonderer Erfahrungs- und Erkenntnisgewinn: Kommunikationsmuster, von denen wir sicher sind, daß sie nur auf eine bestimmte Art und Weise Anwendung finden sollten, erweisen sich im Gruppendialog als überprüfungswürdig - und es werden gemeinsam Handlungsalternativen gefunden.
Im Verlauf des Gruppenprozesses werden so mit Unterstützung der Gruppe neue Handlungsspielräume entdeckt und Problemlösungen ge-
funden, auf die der Einzelne trotz heftigen Nachdenkens wohl nie gekommen wäre.
Für manche mag das gemeinsame Erleben des Gruppenverlaufs
- der zuweilen aufregend sein kann - bereits eine besondere Bereicherung darstellen. Ziel des Wochenendes ist es allerdings, daß jede Teilnehmerin/jeder Teilnehmer einen konkreten, umsetzbaren Lösungsansatz für ein in der Gruppe erörtertes Problem mit nach Hause nehmen kann.
Referent: Dr. Arnulf Nüßlein, Gruppenanalytiker (Institut für Therapeutische und Angewandte Gruppenanalyse Münster)
Kursort und Termin
Burg Bodenstein bei Worbis, Burgstraße 1, 37339 Bodenstein, zu erreichen über die Autobahn Göttingen, über Duderstadt oder Leinefelde (Bahnverbindung: Göttingen-Eichenberg-Worbis)
Unterbringung in 1- oder 2-Bettzimmern. 4 Mahlzeiten pro Tag.
03.04. - 05.04.20 | Fr, 03. April 2020, 19:30 Uhr bis So, 05.April 2020, 13.00 Uhr
Teilnahmebetrag
340,00 EUR RAV-Mitglieder
370,00 EUR Nichtmitglieder (inklusive Mehrwertsteuer)
Anzahl der Teilnehmer*innen: max. 11
Für diese Fortbildung gelten besondere Stornierungsbedingungen: bei Absage bis zum 30.01.2020 fallen 50% des Teilnahmebetrages, bei Absage bis zum 28.02.2020 70% des Teilnahmebetrages an. Bei Absage nach dem 28.02.2019 fallen 100% des Teilnahmebetrages an.
