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Emma: Ein anderer Blick

Feministischer Comic gegen die Zumutungen des Alltags

Anya Lean

Vor etwa einem Jahr begegnete mir der Comic über Mental Load(1) von Emma zum ersten Mal. Der Begriff war neu für mich, aber das Gefühl kannte ich gut. Mental Load beschreibt die Belastung der alltäglichen Verantwortung für Haushalt und Familie, die Beziehungspflege sowie das Auffangen persönlicher Bedürfnisse. Diese Verantwortung wird auch heute fast ausschließlich von Frauen* getragen.

Die französische Comiczeichnerin Emma schreibt und zeichnet über diese Zumutungen des Alltags in einer rassistischen und kapitalistischen Gesellschaft. Sie schreibt unter anderem über die ungerechte Verteilung von Mental Load und unbezahlter Sorgearbeit, über die Tabuisierung weiblicher Sexualität und die Sexualisierung von als weiblich gelesenen Körpern und über rassistische Polizeigewalt. Sie kritisiert die kapitalistische Ordnung der Arbeitswelt und den unverhältnismäßigen Umgang des Staates mit der ›Gewalt der Unterdrückten‹, mit der sie sich ausdrücklich solidarisiert.

Besonders an dem Buch ist der Blickwinkel, aus dem die Themen beleuchtet werden. Emma zeigt damit zum Einen, dass Themen, die Frauen* betreffen, weniger im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen,(2) zum Anderen, dass es einen ›anderen‹ Blick auf alle gesellschaftlich relevanten Themen gibt. Als Leserin erlebe ich diesen Blick in den scharfsinnigen Zeichnungen und Dialogen des Comics. Emmas kluge Analysen, ihre Ideen für eine Veränderung dieser (alltäglichen) Zustände inspirieren und machen Mut. Sie regen an zum Nachdenken und dazu, ins Gespräch zu kommen und selbst aktiv zu werden.

Emma, Ein anderer Blick – Feministischer Comic gegen die Zumutungen des Alltags
(aus dem Französischen von Julia Schäfermeyer).
Unrast Verlag. Münster 2020

Anya Lean ist Rechtsanwältin in Berlin und RAV-Mitglied.

(1) Der Comic zu Mental Load ist auch online verfügbar: english.emmaclit.com/2017/05/20/you-shouldve-asked/
(2) Wer mehr zum Gender Data Gap lesen möchte, der empfehle ich das Buch ›Unsichtbare Frauen‹ von Caroline Criado-Perez. Dort geht es um die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten und die daraus resultierende kontinuierliche und systematische Diskriminierung von Frauen*.