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Zur Situation von Anwältinnen und Anwälten in Kolumbien

Online-Diskussionsveranstaltung, 20.1.2022 um 19h

Jedes Jahr am 24. Januar findet der »Tag des bedrohten Anwalts« statt, an dem Anwält*innen weltweit gegen die Einschüchterung, Bedrohung, Inhaftierung und Ermordung ihrer Kolleg*innen demonstrieren. Dieses Jahr ist der Tag erneut – wie bereits 2014 – den Anwält*innen in Kolumbien gewidmet, die Morddrohungen erhalten, weil sie die Rechte der Ärmsten verteidigen und die Opfer von Menschenrechtsverletzungen insbesondere in ländlichen Gebieten vertreten.

Von den über 200.000 Anwält*innen in Kolumbien widmen sich nur wenige der Vertretung der Bevölkerungsgruppen, die am stärksten von Übergriffen wie außergerichtlichen Tötungen, dem gewaltsamen Verschwinden-Lassen und Angriffen bei bewaffneten Konflikten betroffen sind. Dieser marginalisierte Teil der Bevölkerung umfasst Kleinbäuerinnen und -bauern, städtische Armutsbevölkerung, Binnenflüchtlinge sowie indigene und afro-kolumbianische Gruppen.

In den letzten zehn Jahren wurden dort mehr als 700 Anwält*innen ermordet. Daneben kam es zu mehr als 4.400 Übergriffen auf Anwält*innen in Kolumbien. Zwischen 2019 und 2020 wurden verschiedene Menschenrechtsanwält*innen durch staatliche Sicherheitskräfte überwacht, weil sie oppositionelle Gruppen vertreten haben. Die meisten Menschenrechtsverteidiger*innen müssen darüber hinaus damit rechnen, selbst mit Klagen und Ermittlungsverfahren überzogen zu werden, wenn sie versuchen, Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien aufzudecken.

Der kolumbianische Staat hat die Vielzahl an Übergriffen und Attacken weder versucht zu verhindern, noch gibt es ein Interesse an deren Aufklärung. In Kolumbien gibt es weder eine lokale noch eine nationale in Selbstverwaltung handelnde und staatlich anerkannte Anwaltskammer und nur wenige Anwält*innenvereinigungen, die die Unabhängigkeit der Anwält*innen fördern oder den Berufsstand im Allgemeinen schützen. Der Consejo Superior de la Judicatura (Oberster Justizrat) registriert und speichert Informationen über kolumbianische Anwält*innen und sanktioniert Fehlverhalten im Rahmen der Beschäftigung. Eine Interessenvertretung fehlt komplett.

Vor diesem Hintergrund findet am 20. Januar 2022 um 19 Uhr eine Diskussionsveranstaltung des RAV statt.
Es ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem DAV, der RAK Berlin, der VDJ, der EJDM, der AED-EDA sowie mit den beiden Menschenrechtsanwält*innen Zoraida Pedraza und German Romero.

Die Kolleg*innen werden ausführlich über die Situation in Kolumbien berichten. Beide mussten Kolumbien verlassen, da sie dort aufgrund ihrer Arbeit bedroht und verfolgt wurden. Sie leben momentan sowohl in Belgien als auch in Spanien.

Die Veranstaltung findet online per Zoom statt:
https://us06web.zoom.us/j/85818715081?pwd=THhKNEpweGpCSnNhQlhlVzdiU2pRZz09
Meeting-ID: 858 1871 5081
Kenncode: 251985

Einladung_PDF