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Einladung zum 5. Berliner RAV-Regionaltreffen

Kategorie: Empfehlung (Mitteilung)

am Mittwoch den 13.12.2017 um 19 Uhr
Vortrag und Diskussion:
Paradoxien der Zeugenschaft. Jüdische Überlebende in bundesdeutschen NS-Prozessen zum Vernichtungslager Sobibor 1949-1989

Ort:

KuB - Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrant_innen e.V.

Oranienstr. 159, Erdgeschoss, 10969 Berlin

Anfahrt: U8 U-Bahnhof Moritzplatz, Bus M29 Moritzplatz

Anlässlich des jüngst gescheiterten Auschwitz-Prozesses in Neubrandenburg (siehe etwa: https://www.welt.de/politik/deutschland/article165913979/Neubrandenburger-Auschwitzprozess-macht-Rechtsgeschichte.html)  haben wir die Wissenschaftlerin Dagi Knellessen eingeladen, aus ihren Forschungen zu der juristischen Aufarbeitungsgeschichte der NS-Massenverbrechen nach 1945 zu berichten. Ihr Vortrag behandelt den Umgang mit jüdischen Überlebenden in bundesdeutschen NS-Prozessen zum Vernichtungslager Sobibor in den Jahren 1949-1989. Anschließend kann ausgiebig diskutiert werden.

Zwischen 1949 und 1989 fanden in der Bundesrepublik fünf NS-Prozesse statt, die ausschließlich die Verbrechen in Sobibor – einem der drei NS-Vernichtungslager der Aktion Reinhard – zum Gegenstand hatten. Circa 50 Jüdinnen und Juden, die das Lager durch den Aufstand der Häftlinge am 14. Oktober 1943 überlebt hatten, traten in diesen Prozessen als Zeugen auf. Da nach 1945 kein Tatort und kaum Täterdokumente existierten und sie die einzigen nicht-tatbeteiligten Zeugen eines spurenlosen NS-Verbrechens waren, rückten sie als Hauptbelastungszeugen gegen die NS-Täter in eine exponierte wie prekäre Position. Im Gesamtbild von vierzig Jahren zeigt sich, dass die jüdischen Zeugen mit einer Justiz konfrontiert waren, die ihnen mit extrem unterschiedlicher, ja konträrer Grundhaltung entgegentrat und sie zunehmend vor paradoxe Anforderungen gestellt waren.

Dagi Knellessen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Simon-Dubnow-Institut, Leipzig, arbeitet seit 2015 an einem Forschungsprojekt zur Zeugenschaft von jüdischen Überlebenden in bundesdeutschen Sobibor-Verfahren in der Zeit von 1949-1989. Als Mitarbeiterin des Fritz Bauer Instituts, Frankfurt am Main (2000-2005) und als Freie Wissenschaftlerin in Berlin (2005-2015) hat sie sich im Schwerpunkt mit der juristischen Aufarbeitungsgeschichte der NS-Massenverbrechen nach 1945 und der allgemeinen wie juridischen Zeugenschaft von NS-Verfolgten und jüdischen Überlebenden beschäftigt.

Wie immer gilt:

Das Regionaltreffen ist offen für alle Interessierten, unabhängig von der Mitgliedschaft im RAV. Es dient als Treffpunkt und Anlaufstelle, zum Austausch über laufende Mandate und Verfahren, anstehende oder vergangene Aktionen und Veranstaltungen, und auch um einfach mitzubekommen was sonst so passiert und wen es noch alles so gibt. Themenvorschläge sind jederzeit willkommen.

Wir freuen uns!

Euer Vorbereitungsteam

Regionalgruppe Berlin - Einladung 5. Treffen.pdf


| 26.10.2017
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