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Angelika Lex – Kämpferin, Kollegin, Freundin

Ein Nachruf 

Am 9. Dezember 2015 verstarb nach langer Krankheit unsere geschätzte und geliebte Kollegin Angelika Lex aus München. Als vor etwa zehn Jahren im RAV die Idee aufkam, eine Vernetzung aller Polizeirechts-Anwältinnen und -Anwälte aufzubauen, sagte eine Kollegin, »in München gibt es da auch noch eine« und meinte Angelika. Sie war von Anfang an beim Arbeitskreis dabei – froh, damit zu ihren vielen Terminen noch einen weiteren hinzufügen zu können. Trotz ihres unglaublichen Arbeits­pensums hat sie es meist geschafft, zu uns in den Norden zu kommen – selten kamen wir auch zu ihr. Als wir dann mal bei ihr waren in München, wurden wir herzlich empfangen und verdanken Angelika – neben dem selbstverständlich gut vorbereiteten Treffen – unseren ersten und unvergessenen Besuch beim Oktoberfest. Wir waren uns von Anfang an sympathisch – uns verbanden nicht nur die juristischen und politischen Dinge, sondern auch viel Persönliches.
Sie war eine Kollegin, die unglaublich viel, engagiert – und effektiv – gearbeitet hat in ihrem Leben. Wie ihr Mann Sigi auf der Beerdigung sagte, konnte Angelika vollkommen Ironiefrei Freitagabend um 23 Uhr nach Hause kommen und sagen: »Ich muss morgen mal etwas früher ins Büro«. Sie hat damit viele juristische Erfolge erzielt: im Asylrecht, für die Demonstrationsfreiheit, gegen den Verfassungsschutz und am Ende als Nebenklagevertreterin im NSU-Prozess. Dabei war eine ihrer Fähigkeiten, sich von politischen Grabenkämpfen fernzuhalten und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ihre Fähigkeit zu vernetzen wurde im Kreis der NSU-Nebenklägerinnen und Nebenkläger sehr geschätzt – und wurde schon schmerzlich vermisst, seit Angelika sich letztes Jahr ganz aus der Arbeit zurückziehen musste.
»Das einzig Gute an dieser Krankheit ist, dass ich keine Termine mehr habe«, hatte sie am Ende ihres Lebens mal gesagt. Nach 30 sehr arbeitsreichen Jahren, in denen Angelika quasi nebenbei zwei Töchter bekam, mehr als verständlich. Den täglichen Spagat einer engagiert arbeitenden Mutter hat sie mit Bravour gemeistert – dass der ohne ihre Beziehung zu Sigi, aus der sie so viel Kraft schöpfen konnte, nicht möglich gewesen wäre, das hat Angelika immer betont. Als Mutter mit zehn Jahre älteren Kindern war sie mir, Karen, eine gute und vor allen Dingen verständnisvolle Beraterin.
Angelika musste viel leiden in den letzten zwei Jahren und hat die ganze Zeit über ihr Interesse an und ihr Mitgefühl für andere Menschen nicht verloren. Auch ihre positive Einstellung dem eigenen Leben gegenüber konnte sie sich lange bewahren. Sie war so dankbar für ihre tolle Familie, die sie getragen und gepflegt hat und mit der sie bis zum Ende lachen und Spaß haben konnte.
Sie hat dem bevorstehenden Tod ins Auge gesehen und noch einige schöne Abschiede organisiert – es wäre nicht Angelika, wenn sie dem nahenden Tod tatenlos zugeschaut hätte. So hat sie häufig Kolleginnen und Kollegen oder Freundinnen und Freunde zum Essen eingeladen. Und diese lang gepflegten Freundeskreise haben ihr ihrerseits viel Kraft gegeben – auch und gerade in den letzten Monaten.
Angelika hat es geschafft, am Ende zu sagen: »Ich hatte ein tolles Leben«. Ein erfülltes Leben, das jetzt leider viel zu früh zu Ende ging. Wir vermissen sie sehr. 

Karen Ullmann und Peer Stolle für den Vorstand des RAV

Noch im November 2015 wurde Angelika Lex von der Stadt München der Georg Elser-Preis für ihr gesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus verliehen. Die Rede, die sie dort gehalten hat, enthält viel, was Angelika ausgemacht und ihr Leben gekennzeichnet hat. Die Preisverleihung – so sagte es Angelika danach – war für sie ein richtig guter Abschied von ihrem politischen und juristischen Leben. In Erinnerung an die Kollegin, Kämpferin und Freundin Angelika dokumentieren wir an dieser Stelle diese Rede (Die Redaktion).

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