Sie sind hier: RAV > FortbildungSeminare

25.05.2018 bis 26.05.2018 - Berlin

Digitale Beweismittel: Von Handydaten bis Umgebungsintelligenz
Strafverteidigung im Zeichen von Big Data

BigData/18
RA Dr. Uwe Ewald
2 Tage (5 + 7,5 Std gem. FAO, auch getrennt buchbar)

Kooperationsveranstaltung von RAV und WisteV (Wirtschaftsstrafrechtliche Vereinigung e.V.)

Ziel des Seminars ist es, auf zwei Ebenen Grundkenntnisse zu vermitteln:

I. Grundzüge der Digitalisierung von öffentlicher Sicherheit und Strafjustiz und wesentliche Konsequenzen für die Beweiserhebung (Tag 1)

II. Anwendungsbezogene Einführung in die mögliche Nutzung von Software zur Erhebung und Auswertung elektronischer Daten im Rahmen der Beweiserhebung sowie zu Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit. (Tag 2 - auch offen für Teilnehmer*innen des Seminars im November 2017)

Seit einigen Jahren nimmt der Anteil digitaler Beweismittel in Strafverfahren rapide zu und es besteht ein wachsendes Bedürfnis auf Seiten der Verteidiger*innen, Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Beweismitteln zu entwickeln, um das durch Polizei und Staatsanwaltschaft vorgelegte Ermittlungsergebnis substanziell und effektiv überprüfen zu können.

Die Prozessbeteiligten sind unausweichlich damit konfrontiert, den Vorgang der Informationsverarbeitung und Transformation digitaler Daten  zumindest insoweit nachzuvollziehen, dass sie die jeweilige Bedeutung der digitalen Beweismittel im Verfahren verstehen und die – zumeist in der polizeilichen Ermittlung – erfolgten Auswertungen elektronischer Informationen hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit (Gerichtsfestigkeit) einschätzen können.

Mehr noch, besonders in großen OK-, Steuer- und Wirtschaftsstrafverfahren erreichen die digitalen Beweismittel den Umfang von Big Data, was zu völlig neuen Formen der Erfassung und Auswertung dieser Informationen führt. Digitale Beweismittel als Massendaten sind sinnvoll und effektiv nur mit entsprechenden Verfahren der computergestützten Inhaltsanalyse zu auszuwerten. Diese Analyse erfolgt entweder während der polizeilichen Auswertung oder durch externe Experten (dann sind die durchgeführten Analyseschritte nachzuvollziehen), oder können seitens der Strafverteidigung eigenständig durchgeführt werden.

Zu I.

Bislang werden zum einen als Beweismittelordner (analoge Daten) übergebene Ermittlungsergebnisse zunehmend in elektronischer Form (digitalisierte Daten) zur Verfügung gestellt. Zum anderen führt die allgemeine Digitalisierung der Gesellschaft dazu, dass die Begehung von Straftaten direkt in der virtuellen Welt oder unter Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) stattfindet. Damit liegen die vermeintlichen Inhalte sowie Spuren der Tatbegehung per se digital vor und müssen  als solche mit besonderen Methoden für die Beweiserhebung erfasst und ausgewertet werden.

Die Entwicklung von der analogen zur digitalen Informationsverarbeitung im Strafverfahren ist im vollen Gange – gleichwohl ist im Kontrast dazu festzustellen, dass Richterschaft, Staatsanwaltschaft und Strafverteidigung noch weitgehend in einer abwartend-distanzierten Position verharren. Diese Situation bringt insbesondere Fragen hinsichtlich der Prinzipien eines fairen Verfahrens und der Waffengleichheit hervor, auf die es zu reagieren gilt.

Der erste Teil des hier angebotenen Seminars ist darauf ausgerichtet, die wesentlichen technisch-analytischen Problemlagen, die mit der Einführung (massenhafter) digitaler Beweismittel in Strafverfahren zu bewältigen sind zu behandeln, um die erforderliche Sachkompetenz aus Sicht der Strafverteidigung zu entwickeln.

Dabei sollen insbesondere folgende Aspekte behandelt werden:

  • Entwicklungen im internationalen und EU-Rahmen (eEvidence) und Deutschland;
  • Veränderung des Strafverfahrens durch (massenhafte) digitale Beweismittel;
  • Übersicht zu Struktur und Inhalt digitaler Beweismittel;
  • Erfassung digitaler Beweismittel durch IKT-Sicherheitsarchitektur;
  • konkrete Dateninhalte und ihre Bedeutung als Beweismittel am Beispiel von TKÜ- und Handy-Daten einschließlich einer kurzen Erläuterung zu in Ermittlungsver-fahren verwendeter Erfassungs-Software;
  • Probleme der Erfassung und Auswertung digitaler Beweismittel (Forensic Readiness, digitale Forensik, Ermittlungsbehörde, Staatsanwaltschaft) und daraus resultierende Verteidigungsmöglichkeiten;
  • Unterschied von analoger und digitaler Informationsverarbeitung: Grundzüge der computergestützten inhaltlichen Auswertung digitaler Beweismittel und häufige Schwächen der polizeilichen Analyse;
  • Möglichkeiten aus Big Data zu Recherche und Ermittlung durch Verteidigung;
  • einige rechtliche Bezüge, besonders: Beweiswert digitaler Daten und Akteneinsichtsrecht

Zu II. (auch offen für Teilnehmer*innen des Seminars im November 2017)

Neben der Kenntnis der im Zuge der Digitalisierung des Strafverfahrens stattfindenden Veränderungen der Informationsverarbeitung spielt zunehmend auch die Entwicklung eigener Fähigkeiten im Umgang mit den als Beweismitteln übergebenen digitalen Daten für Strafverteidiger*innen eine Rolle. Man könnte den Übergang von der analogen zur digitalen Informationsverarbeitung auch mit einer neuen Art des Lesens und Schreibens vergleichen, der nun im digitalen Zeitalter zwingend an die Verwendung von Hard- und Software und die Beachtung der damit verbundenen technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen gebunden ist. Entsprechend muss sich auch die Verarbeitungsweise von Informationen für Verteidiger*innen anpassen.

In vorangegangenen Seminaren wurde deshalb ausdrücklich der Wunsch geäußert, neben der Einführung zu den grundlegenden Entwicklungen und Rahmenbedingungen der Digitalisierung im Bereich der Strafjustiz in Teil I auch einen mit ersten Übungselementen versehenen Teil II zu den notwendigen praktischen Fähigkeiten der zu Verteidigerzwecken notwendigen Aufbereitung und Analyse digitaler Daten anzubieten. Diesem Bedürfnis soll in verschiedener Hinsicht – gleichwohl angesichts des zur Verfügung stehenden Zeitrahmens nur einführend – im zweiten Teil des Seminars entsprochen werden.

Das entscheidende Ziel dieses angewandten Teils besteht neben der Referenz zu Grundsätzen des Datenschutzes und der Datensicherheit und einer Übersicht zu Software und computergestützten Anwendungen, die im Bereich elektronischer Beweismittel durch Strafverteidiger*innen eingesetzt werden können, darin, eine Reihe von Anwendungsbeispielen durch die Teilnehmer*innen eigenhändig ausführen zu lassen. Damit soll die Überzeugung und Erfahrung gestärkt werden, dass in einem sicher fortzusetzenden Prozess des learning-by-doing Verteidiger*innen durchaus in der Lage sind, Ermittlungsbehörden und Staatsanwaltschaften auf Augenhöhe bei der Einschätzung des Beweiswertes digitaler Beweismittel und ggf. eigenständiger unabhängiger Überprüfung begegnen können.

Zur Durchführung des anwendungsbezogenen Teils des Seminars ist es erforderlich, einen eigenen Windows-Computer mitzubringen. (Achtung: Soweit Mac oder Linux als Betriebssystem verwendet wird, ist eine funktionierende virtuelle Windows-Maschine erforderlich. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es hier zu Kompatibilitätsproblemen kommen kann.)

Die für das Training verwendete Software wird auf einem USB-Stick zur Verfügung gestellt werden bzw. über das Internet zugänglich sein.

Es sollen insbesondere folgende Aspekte behandelt werden:

  • Einführung in Software und Internetanwendungen für Strafverteidiger*innen;
  • praktische Anwendungsbeispiele für die Aufbereitung und Analyse elektronischer Beweismittel;
  • Sinn und Möglichkeiten eigener Online-Recherche;
  • Schutz vor Risiken und digitalen Angriffen bei der Strafverteidigung – eigene Datensicherheit und Datenschutz;
  • wie sich Kanzleien und Einzelanwält*innen erfolgreich auf den Umgang mit digitalen Beweismitteln (um- und) einstellen können.

Referent:
Dr. Uwe Ewald, Rechtsanwalt (Dresden), Analyst, Software Trainer (computer-gestützte Inhaltsanalyse)

Kursort und Termin
GLS-Campus
Kastanienallee 82
10435 Berlin

Teilnahmebetrag Tag 1
60,00 / 90,00 € Berufsanfänger_innen bis 2 Jahre Zulassung mit/ohne Mitgliedschaft (RAV/WisteV)
110,00 / 160,00 € Mitglieder (RAV/WisteV) /Nichtmitglieder

Teilnahmebetrag Tag 2
90,00 / 135,00 € Berufsanfänger_innen bis 2 Jahre Zulassung mit/ohne Mitgliedschaft (RAV/WisteV)
145,00 / 240,00 € Mitglieder (RAV/WisteV) /Nichtmitglieder
(jew. incl. MWSt.)

Anmeldung (PDF)

Die Teilnehmerzahl ist auf auf maximal 15 Teilnehmer*innen begrenzt

| 10.04.2018
Lupe